Der Geschichtswettbewerb 2026/2027 – Das neue Thema

Geschichtswettbewerb Titel

Besatzer, Befreier, Freunde?
Schweinfurt und seine Amis

Eine Spurensuche

Am 11. April 1945 wurde die Stadt Schweinfurt von amerikanischen Truppen besetzt. Viele Bürgerinnen und Bürger hängten weiße Bettlaken als Zeichen der Kapitulation an die Fenster. Für Schweinfurt war der Krieg zu Ende. Die Amerikaner, von vielen auch „Amis“ genannt, waren da!

2024 verließen die letzten Soldaten der US-Armee Schweinfurt. Fast 70 Jahre waren die Amis in Schweinfurt präsent und hatten das Leben in der Stadt mitgeprägt. Der Abzug der Amerikaner bildete einen großen Einschnitt in der Geschichte Schweinfurts nach 1945.

Aus amerikanischen Besatzern hatten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Befreier entwickelt. Wurden sie auch zu Freunden?
Bei der Spurensuche öffnet sich ein bunter Reigen von Fragen: Gab es Konflikte? Liebesgeschichten? Wo haben die Amis mit ihren Familien gewohnt? Mochten die Schweinfurter den American Way of Life? Was haben die Amis mitgebracht? Care-Pakete, Swing, Jazz, Rock’n Roll, Kaugummi, Schokolade, Schulspeisung, Nylonstrümpfe, neue Mode, Football, Basketball, neue Schulbücher, viele Ami-Kneipen, Clubs, Demokratie, Entnazifizierung …
Haben sie Spuren hinterlassen?

Alle diese Fragen können natürlich bei deiner Spurensuche nicht beantwortet werden. Du suchst dir am besten einen kleinen Themenkreis aus, der dich interessiert und dem du nachspürst.

Zum Herunterladen des Teilnahmebogens bitte klicken → Teilnahmebogen als PDF-Datei


Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf

Filmplakat: Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf

Am 12. Oktober 2026, 19.00 Uhr im KuK

Albrecht Weinberg ist 101 Jahre alt und der letzte Holocaustüberlebende in Ostfriesland. In diesem Dokumentarfilm nimmt er uns mit auf eine letzte Reise durch Norddeutschland - in seine alte Heimat, die sich heute fremd anfühlt. Nach Auschwitz und dem Mord an einem Großteil seiner Familie wanderte er 1947 aus. Die Freiheitsstatue in New York wurde für ihn zum Versprechen eines neuen Lebens. »You must forget about it«, sagten sie ihm in Amerika. Er hat es versucht - und ist doch daran gescheitert. Wie soll man das Unvorstellbare vergessen? Nach 60 Jahren in New York und Florida lebt Albrecht wieder in Ostfriesland. Unermüdlich teilt er seine Erinnerungen: an Ausgrenzung und Entrechtung, an die schleichende Radikalisierung und den industriell organisierten Massenmord der Nationalsozialisten. Mal nüchtern, mal überraschend offen spricht er über das, was ihn bis heute begleitet. An seiner Seite ist Gerda Dänekas - einst seine Pflegerin, heute seine Freundin und Mitbewohnerin. Gemeinsam verfolgen sie eine Mission: erzählen, erinnern, gegen das Vergessen ansprechen - solange es noch möglich ist. Es ist ein Leben, geprägt von den Verbrechen der Vergangenheit und dem unaufhörlichen Kreislauf der Erinnerungen. Und von einer Rolle, der er nie entkommen kann: Albrecht Weinberg, der letzte überlebende Jude Ostfrieslands.

https://www.kinoheld.de/film/albrecht-weinberg-es-ist-immer-in-meinem-kopf


Gefangen! Zwei Großväter im Zweiten Weltkrieg

Montag, 21. September 2026, 18.30 Uhr (Datum kann noch geändert werden)

Archiv, Heinrich- Winkler- Straße 3, 97424 Schweinfurt/Gartenstadt

Dr. Ernst Reuß, Jurist, erzählt die Geschichte zweier Großväter im Zweiten Weltkrieg. Beide Großväter des Autors, der aus Bergrheinfeld kommt und heute in Berlin lebt, waren in der Sowjetunion. Einer in der Kommandantur eines Kriegsgefangenenlagers für sowjetische Kriegsgefangene in der Ukraine, der andere als Kriegsgefangener in genau demselben Lager, nach Ende des Krieges. Auf der Suche nach Verantwortung wird Reuß mit den Problemen von deutschen und sowjetischen Soldaten konfrontiert, die in die Hände des Feindes gerieten. An die sechs Millionen Rotarmisten gingen in deutsche Gefangenschaft. Mehr als die Hälfte kam ums Leben.


Bücher der Initiative in zweiter Auflage erschienen

Die jüngsten Bücher von Autorinnen und Autoren der Initiative gegen das Vergessen sind in überarbeiteten zweiten Auflagen erschienen. 

Das Buch über die vom Wehrmachtsoldaten Andreas Bauer gegründete „Gelben Birke" ist um zwei Kapitel angewachsen. Autor Hannes Helferich geht darin vor allem auf die bisher nicht bekannte Nachkriegskorrespondenz von Bauer mit dem französischen Kriegsgefangenen und Gelbe-Birke-Mitglied Robert Lemail ein. Die noch lebende Tochter des Gründers, Anneliese Bauer, hatte Briefe und weitere Dokumente erst nach der Erstveröffentlichung bei sich zuhause entdeckt.

Das Gedenkbuch „Sie lebten mitten unter uns“ über die Lebensgeschichten der 75 Schweinfurter Jüdinnen und Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, wurde leicht überarbeitet. 

Überarbeitet hat auch Autor Norbert Lenhard die zweite Auflage über das Leben und Wirken von Wilhelm Wehner. Er war 1916 der erste Kriegsdienstverweigerer in Schweinfurt und rief hier 1919 die Räterepublik aus. Mehr Informationen zu den Büchern und Bestellmöglichkeiten gibt es hier.


Franz Metz: Erinnerungen an den in Schweinfurt geborenen, aber fast unbekannten Weggefährten von Fritz Soldmann

Mit dem von Adolf Hitler am 23. März 1933 erlassenen „Ermächtigungsgesetz“ endete die parlamentarische Demokratie in Deutschland. 81 Abgeordnete der KPD und 26 der SPD konnten damals nicht abstimmen, weil sie entweder untergetaucht waren oder sich bereits in so genannter „Schutzhaft“ befanden, darunter Fritz Soldmann aus Schweinfurt. Auch er hätte wie die anderen 106 Abgeordneten den Freibrief für Hitler und seine braune Brut abgelehnt, so wie das jene 94 SPD-Abgeordneten getan haben, die das damals noch konnten. Unter den mutigen Genossen, die den Nationalsozialisten in der namentlichen Abstimmung im März 1933 die Zustimmung verweigerten, befand sich mit Franz Metz ein weiterer Schweinfurter. Darüber informiert die Schweinfurter Initiative gegen das Vergessen in einer Medieninformation.

Natürlich kannten sich Metz und Soldmann. Sie teilen sich aber auch ihr trauriges Schicksal. Beide waren schwersten Verfolgungen durch die Gestapo ausgesetzt. Beide überlebten die Nazis zwar, starben aber unmittelbar nach dem Kriegsende an den Folgen der erlittenen Grausamkeiten: Fritz Soldmann einige Wochen nach der Befreiung aus dem KZ Buchenwald (11. April 1945) am 31. Mai 1945, Franz Metz einige Wochen nach der Befreiung aus dem KZ Dachau (29. April 1945) am 13. Juni 1945. Weitere Gemeinsamkeiten der beiden Sozialdemokraten sind das gleiche Geburtsjahr 1878, beide wurden nur 67 Jahr alt und das Datum 10. August. Metz ist an diesem Tag in der Stadt am Main geboren, Soldmann hat nach der Überführung seines Leichnams aus Wernrode am 10. August (1948) unter großer Anteilnahme der Bevölkerung seine letzte Ruhestätte im Schweinfurter Hauptfriedhof gefunden.

An Soldmann erinnert in Schweinfurt außerdem eine Straße im Stadtteil Gartenstadt und ein von der Initiative gegen das Vergessen geschaffenes Denkmal in der Luitpoldstraße. Metz` Wirken ist demgegenüber in Schweinfurt nahezu unbekannt, was natürlich auch daran liegt, dass er im Jahr 1907 seine Geburtsstadt aus beruflichen Gründen verließ.  Der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) stellte ihn in jenem Jahr als Ortsbevollmächtigten in Frankfurt am Main ein. Später rückte er als Bezirkssekretär nach. Franz Metz stand bei den Reichstagswahlen ab 1928 immer an der Spitze der SPD-Liste im Wahlkreis Hessen-Nassau.

Nach dem 2. Mai 1933 wurde Franz Metz gezwungen, die neuen Machthaber in der Verbandszentrale des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes einzuarbeiten. Er lehnte es allerdings ab, Kündigungsschreiben an seine alten Kollegen abzufassen, und wurde deshalb fristlos entlassen. Metz zog nach Frankfurt, eröffnete dort das „Café Metz“, das sich zu einem Treffpunkt oppositioneller Genossen und Kollegen entwickelte. Metz blieb eine zentrale Figur in der Metallarbeiterbewegung, wurde deshalb von Nazis im Rahmen der Aktion „Gitter“ nach dem Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944 festgesetzt und im KZ Dachau inhaftiert. Die Namen von Metz und Soldmann sind im Denkmal für die 96 von den Nationalsozialisten ermordeten Reichstagsabgeordneten vor dem Westportal des Berliner Reichstags eingraviert und verewigt. Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist eine Straße nach Franz Metz benannt. Und die SPD-Fraktion Bad Nauheim erinnert regelmäßig an Franz Metz, der am 13. Juni 1945 an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen und des Todesmarsches vom Konzentrationslager Dachau nach Bad Tölz starb.